Ein "Nachtgebet" von Eugen Roth

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Du führst – gesund, schier neiderregend –
Den Hund spazieren in der Gegend
Und liest, am nächsten Straßeneck,
Ein Schild, dass zu der Heilkunst Zweck
Sich kürzlich nieder hat gelassen
Ein Arzt, vertretend alle Kassen,
Drei Häuser weiter – und schon wieder
Ließ praktisch sich ein Arzt hier nieder.
Du wanderst friedlich hundert Schritte:
Sieh an! Da ist ja schon der dritte!
Gleich nebenan schwingt ein Professer
als vierter sein Chirurgenmesser.
Ein fünfter treibts hals-nasen-öhrlich,
und noch ein sechster Röntgen-röhrlich.
Ein siebter operiert nur plastisch,
Ein achter macht's mehr heilgymnastisch. –
Wobei wir die gar nicht erwähnen,
Die helfen möchten Deinen Zähnen. –
Du gehst – wie schon bemerkt, gesund –
Nach Hause still mit Deinem Hund
Und schließt, im Bett noch abends spät,
Sie alle in Dein Nachtgebet:
Sie möchten – Dich nur ausgenommen! –
Zu Patienten reichlich kommen.

 

 

 

 

 

  

 

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